Ausstellungen

Blume

Über Ausstellungen gibt es viele verschiedene Ansichten und auch Vorurteile. Ich will Ihnen einmal aus meiner Sicht über Ausstellungen im Allgemeinen und im Besonderen berichten.

Zunächst einmal das Allgemeine…

Ein Züchter, der beim Kynologenverband registriert ist, hat die Pflicht, seine Hunde neben den ärztlichen Gutachten auch auf Ausstellungen zu zeigen. Die Richter untersuchen jeden Hund dann auf rassetypische Merkmale. Es gibt einen sogenannten Rassestandard, in dem genau beschrieben ist, wie ein Hund einer bestimmten Rasse im Idealfall zu sein hat. 

Auf einer Ausstellung wird der Hund im Stand und in der Bewegung beobachtet; der Körperbau, das Gebiß und alle äußeren Merkmale begutachtet und bewertet.

Der Sinn liegt darin, dass nur mit den besten, reinrassigen Exemplaren gezüchtet werden soll. Denn Hunde gibt es genug auf der Welt. Es ist nicht nötig, sie planlos zu vermehren!

Die Ausstelllung ist für einen Hund absolut keine Qual – wenn der Hund ein ausgeglichenes Wesen hat und seinem Besitzer treu ergeben ist. Dann ist er froh, wenn er mit seinem Menschen zusammen sein kann und wird sich freuen, wenn man mit ihm zufrieden ist. Ein Hund, der immer dabei sein darf, wird mit dem unvermeidlichen Rummel auf einer Ausstellung gut zurecht kommen. Er vertraut seinem Menschen und weiß, dass ihm nichts passieren kann, solange dieser bei ihm ist.

Jeder Aussteller ist bestrebt, seinen Hund so gut als möglich zu präsentieren. Das ist sein gutes Recht. Und natürlich freut man sich, wenn der Hund eine gute Note, womöglich sogar noch einen Pokal bekommt.

Damit ein Malteser einen guten Eindruck macht, ist es notwendig, ihn zu baden. Dazu braucht man ein gutes Shampoo und einen Conditioner. Das Fell muss selbstverständlich filzfrei sein. Mehr ist nicht nötig. Er soll sauber und gepflegt im Ring erscheinen. Ohren und Augen werden gereinigt, die Zähne geputzt, die Krallen geschnitten, die Pfoten getrimmt. Das Schopfhaar wird zusammengebunden und mit einer Masche verziert. Fertig ist das Prachtexemplar!

Klar sieht der Malteser nicht alle Tage so aus. Wenn er in Haus und Garten frei herumlaufen darf und täglich spazieren geht, dann wird er auch schmutzig werden und nicht mehr so gestylt sein. Doch das ist auch nicht nötig. Sie sehen doch auch nicht jeden Tag so aus, wie wenn Sie sich für einen Ball oder ein Fest schön gemacht haben.

Es ist jedoch durchaus machbar, einen Malteser im vollen Haarkleid hundegerecht zu halten. Der Rassestandard schreibt vor, dass das Haar bis zum Boden reichen sollte. Davon, dass es dort aufliegen soll, steht nichts darin. Wenn sie also ihrem Malteser das Haar knapp über dem Boden waagrecht abschneiden, haben sie einen ganz normalen Hund, mit dem Sie spazieren gehen können, und trotzdem ist er der Rasse gerecht in langem Haar.

Wenn Sie allerdings Ihren Malteser ausstellen wollen, werden Sie ihm das Haar länger wachsen lassen müssen, wenn Sie möchten, dass Ihr Hund sich gegen die – meist ausländische – Konkurrenz behaupten kann. Ich würde mich sehr freuen, wenn wieder der natürliche Malteser in den Mittelpunkt gestellt würde und extreme Auswüchse nicht mehr honoriert würden.

Für viele Aussteller jedoch wird die Haarlänge zum Selbstzweck – mit all den Konsequenzen, die zu Lasten des Hundes gehen. Wenn Sie auf einer Ausstellung einen Malteser sehen, der sein Fell 10cm lang am Boden nachschleift, dann sollten Sie sich einmal darüber Gedanken machen, wie dieser Hund dazu kommt.

Auf amerikanischen Websites ist zu lesen: wenn Sie einen Ausstellungshund haben wollen, dann dürfen Sie mit ihm nicht spazieren gehen! Diese Hunde werden bestenfalls nur in einem Zimmer, schlimmer noch, in einem Käfig gehalten. Sie dürfen auch nicht mit anderen Hunden spielen, damit das Haar dabei nicht beschädigt wird. Die Freude, sich kopfüber in eine saftige Fleischmahlzeit zu stürzen, oder aus einer vollen Wasserschüssel zu trinken, ist diesen Hunden verwehrt. Das könnte ja den Bart verfärben. Also bekommen sie nur Trockenfutter und müssen mit einer Kaninchentränke auskommen.

Ich will Ihnen die Aufzählung der Medikamente und chemischen Mittel ersparen, womit diese Hunde behandelt werden. Neben Pillen und Spritzen wird mit allerlei Sprays und Lacken gearbeitet, bei denen einem die Luft wegbleibt. Das Fell wird gebleicht, die Nase schwarz gefärbt, etc. Als einziger „Auslauf“ dient ein Laufband. Wenn Sie auf der Ausstellung einen Hund sehen, der wie an einer Schnur gezogen läuft, dann können Sie annehmen, dass er das auf einem Laufband gelernt hat und dass er nicht in der freien Natur, wie es sich für ihn gehören würde, herumlaufen darf.

Bei so einer Haltung hört sich für mich die Gemütlichkeit auf! Auch ein Malteser hat die Bedürfnisse eines Hundes und sollte nicht wie ein Batteriehuhn gehalten werden. Der Hund ist ein Lauftier, braucht die Bewegung im Freien, braucht Sonne und gute Luft – genauso wie wir Menschen auch. Er braucht neue Sinneseindrücke, um intelligent zu bleiben, und das Spiel mit seinem Menschen und mit anderen Hunden. Das erscheint doch eigentlich logisch. Aber so mancher hält sich nicht daran. Bedenklich ist nur, dass die meisten Richter solche Hunde auf die ersten Plätze stellen. Damit tun sie den Hunden und dieser bezaubernden Rasse keinen guten Dienst.

Umgekehrt wieder gibt es Leute, die den „naturbelassenen“ Malteser propagieren, damit aber ungepflegte Hunde schönreden wollen. Mag sein, dass verfilzte, verdreckte Malteser auch glückliche Hunde sein können. Doch das wird diesen ursprünglich eleganten Hunden nicht gerecht. Ganz zu schweigen von den vielen Maltesern, denen man ihr typisches Kennzeichen, das lange Haar, genommen hat und sie damit zu einem undefinierbaren Etwas degradiert. Wer zu faul ist, seinen Hund regelmäßig zu bürsten und zu baden, sollte sich eine andere Rasse zulegen, bei der das nicht notwendig ist.

Und nun zum Besonderen…

Mich erschüttert immer wieder, wie sorglos und verantwortungslos manche Leute mit ihren Hunden umgehen. Ich habe weiter oben schon auf die Machenschaften hingewiesen, mit denen z.B. manche Malteser traktiert und geschönt werden.

Immer wieder kommt es vor, dass Hunde im Auto eingesperrt werden, während ihre Besitzer mit anderen Hunden in der Ausstellungshalle sind. Auch bei der Euro-Dog in Zagreb im Juni 2007 ist es passiert, dass vier Hunde einer großen Rasse im Auto zusammengepfercht in der unmenschlichen Hitze darin qualvoll umgekommen sind. Übrigens, der Besitzer dieser Hunde soll auf die Vorwürfe hin gemeint haben, dass man bedenken solle, welch großen finanziellen Verlust er erlitten hat…

Bei warmem Wetter wird ein Auto bald zur tödlichen Falle für einen Hund. Man sollte meinen, dass das allgemein bekannt ist. Doch offensichtlich setzen sich manche Menschen darüber hinweg. Der Hund ist für sie nur Mittel zum Zweck, und nicht umsorgtes Lebewesen. Traurig ist so etwas.   Als Züchter stellt sich mir unweigerlich die Frage: Für wen züchte ich eigentlich? Denn ich kann nicht alle meine Hunde behalten. Selbst bei nur zwei Welpen im Jahr wären das nach 10 Jahren immerhin bereits 20 zusätzliche Hunde. Und die Zeit vergeht schnell.

Wer also soll meine Welpen bekommen? Gewiß niemand, der sie wie einen Hamster hält, ihnen die Freuden eines normalen Hundelebens wie spielen, schnüffeln, rennen, graben, etc. verwehrt, um sie dann auf einer Ausstellung gesprayt, gefärbt, gebügelt und auftoupiert einem staunenden Publikum zu präsentieren… Oder soll ich züchten für Menschen, die ihre Minderwertigkeitskomplexe mit den Siegen ihrer Hunde kompensieren müssen? Oder für Menschen, die Siegerhunde brauchen, um möglichst viel Gewinn aus ihrer Hundezucht ziehen zu können?

Natürlich ist es notwendig, jeden Zuchthund von verschiedenen Richtern begutachten zu lassen. Damit die Rasse in ihrer besten Form erhalten werden kann. Doch aus meiner Sicht ist es absolut unnötig, den Malteser künstlich herzurichten! Falls es das Ziel solcher Leute sein sollte, den Richter damit zu täuschen, dann sind diese Handlungen abzulehnen. Man kann am Malteser vieles verfremden – von Natur aus krauses Haar glatt machen, damit es wie das gewünschte Seidenhaar aussieht; ihn färben oder bleichen; oder mit einem auftoupieren Schopf einen zu flachen Schädel oder eine zu lange Nase vertuschen – nur, was bringt das der Rasse? Die Nachkommen solcher Hunde werden wieder schlechtes Haar und mangelhafte Köpfe haben!

Ich bin der Meinung, dass der natürliche Malteser, der sauber gewaschen und gebürstet im Ring steht, seine wahre Schönheit zeigen kann. Die Richter haben dann die Möglichkeit, die tatsächliche Qualität der Hunde bewerten zu können. Sie könnten ihr Augenmerk mehr auf die körperlichen Gegebenheiten der ausgestellten Hunde richten, ohne sich von einem übertriebenen Make-Up ablenken zu lassen.

Ein guter Züchter hat immer das Idealbild seiner Rasse vor Augen und versucht, ihm nahe zu kommen. Ich züchte für die Menschen, die fasziniert sind von der Schönheit und dem wunderbaren Charakter des Rassemaltesers; die ihm alle Liebe und Fürsorge geben, die diese Hunde verdienen; und wo mein Welpe ein gesundes und glückliches Leben führen kann.